Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Forschung und Projekte

Vorderorientalische Archäologie

Nazarlebi (Georgien)

Abb. 1: Nazarlebi von Südwesten, im Hintergrund die Shiraki-Ebene

Abb. 1: Nazarlebi von Südwesten, im Hintergrund die Shiraki-Ebene

Abb. 1: Nazarlebi von Südwesten, im Hintergrund die Shiraki-Ebene

Im  Rahmen einer Kooperation zwischen dem Seminar für Orientalische  Archäologie und Kunstgeschichte der Martin-Luther-Universität  Halle-Wittenberg (Felix Blocher) und dem Laboratory for Visual  Anthropology and Local History der Ilia State University  Tbilisi (ISU) (Paata Bukhrashvili) haben 2017 Ausgrabungen in der  Wallanlage Nazarlebi am Rande der Shiraki-Ebene in Kachetien  (Ostgeorgien) begonnen. Es handelt sich dabei um eine in hügeligem  Gelände, direkt am Übergang zur Ebene liegende größere (ca. 150 x 130 m)  und gut erkennbare Anlage, die von Wällen umgeben ist (Abb. 1). Sie ist  nach den benachbarten Nazarlebi-Bergen als Nazarlebi bezeichnet worden.  In einem Testschnitt 1991 hatten B. Maisuradze und G. Mindiashvili dort  Keramik gefunden, die sie in das 13.-11. Jh. v. Chr. (Späte  Bronzezeit/Frühe Eisenzeit) datierten. Eine Sondage durch A.  Furtwänglers Mannschaft im Jahr 1997 hatte nur zwei Scherben ergeben,  die als nicht aussagekräftig bezeichnet wurden. In den Jahren 2007-8  erfolgten im Zusammenhang mit einer Kurgangrabung in der Ebene direkt  unterhalb von Nazarlebi weitere Sondagen in der Wallanlage durch V.  Varazashvili. Im Rahmen einer von der Deutschen Orient-Gesellschaft  durch eine Anschubförderung ermöglichten ersten Grabungskampagne im  Herbst 2017 wurde als Grabungsfläche ein Bereich an der Ostkante des  oberen Wallrings gewählt, in dem schon früher gearbeitet worden worden  war. Hier fanden sich bescheidene trockene Mauersetzungen aus größeren  und kleineren Kieselsteinen in unterschiedlichen Ausrichtungen (Abb. 2). Es  könnte sich dabei um primitive „Kästen“ der Konstruktion der Wallanlage  handeln. Auch eine torähnliche Situation in einer leichten Senke des  Walls konnte beobachtet werden (Abb. 3). Das georgisch-deutsche Team bestand auf  georgischer Seite aus den Vertretern der Ilia State University: Paata  Bukhrashvili (Archäologe), Zurab Tskvitinidze (Prähistoriker),  Guram  Kipiani (Bauforscher) und Shorena Davitashvili (Archäologin). Auf deutscher Seite war die  Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vertreten durch Felix Blocher  (Archäologe) und Annika Jochens sowie Judith Gwen Schulz  (Archäologiestudentinnen). Die Erdarbeiten wurden durch acht geübte  georgische Arbeiter vorgenommen.

Für die Fortsetzung der Ausgrabungen wurde im Januar 2018 ein Antrag an die Gerda Henkel Stiftung gestellt, der im März leider abschlägig beschieden wurde. Wir danken Frau Dr. Simone Arnhold dafür, dass sie aus ihren HSP-Mitteln für Lehrgrabungen die erforderliche Summe bereitstellte, so dass im August und September 2018 die Arbeiten fortgesetzt werden konnte. Der 2. Grabungskampagne ging ein internationaler Workshop voran, welcher im Mai 2018 in Halle stattfand (s. sep. Eintrag bzw. LINK). Durchgeführte Arbeiten der Kampagne 2018: 1) Zunächst wurde die Untersuchung der Toranlage fortgesetzt, indem die bestehende Grabungsfläche nach Norden hin erweitert wurde („Torschnitt“). Es zeigten sich weitere Steinsetzungen, die von der Toranlage zum nördlich davon anschließenden Wall verlaufen. 2) Auf dem zentralen Plateau wurden zwei Flächen („Plateauschnitt 1 und 2“) geöffnet. Die östliche ergab verschiedene Steinsetzungen, welche sich grob in zwei Phasen unterteilen lassen, von denen die jüngere teilweise schon an der Oberfläche sichtbar war.  In der westlichen Fläche auf dem Plateau („Plateauschnitt 2“) waren ebenfalls unregelmäßige Steinsetzungen bereits an der Oberfläche sichtbar. Bei ihrer Freilegung wurde ein Bronzedepot gefunden (Abb. 4), welches aus insgesamt 484 Stücken bestand, davon 457 nicht funktionsfähige Schwertnachbildungen aus dünnem Blech. Die restlichen Stücke bestanden aus einem Schwert und einem Dolch, welche wohl ein Set bildeten, vierzehn Lanzenspitzen, zwei Geräten mit zwei Spitzen, verbunden durch eine konkave Kante, einer Doppelaxt und einer Miniaturaxt, einer Sichel, zwei Armringen und vier runden Blechen, teilweise mit Löchern zum Applizieren. Auf dem Depot lag eine umgekehrte Tasse, am anderen Ende, neben dem Depot, eine Muschel. In den Tagen nach Freilegung und Bergung des Bronzedepots zeigte sich direkt westlich von der Fundstelle eine ca. 1 m breite zweischalige Mauer aus Kalkstein- und einigen Sandsteinblöcken, deren Zwischenraum sorgfältig mit Kieselsteinen verfüllt war (Abb. 5). Die Mauer verläuft kreisförmig; der Durchmesser der vermutlich runden Anlage dürfte ca. 13 m betragen haben (zurzeit ist etwa ein Viertel des Kreises freigelegt; das Depot hat also direkt an der Mauer im Inneren der Anlage gelegen). Die Ähnlichkeit mit dem ostgeorgischen Heiligtum von Schilda im Alasanital ist offenkundig, sowohl was die Architektur als auch was das Fundgut  angeht. Die sich aus den Depotfunden und der reichlich vorhandenen Keramik ergebende Datierung in die Späte Bronze- bzw. Frühe Eisenzeit (ca. 12.-9. Jh. v. Chr.) fügt sich ebenfalls gut in dieses Bild. Die Zusammensetzung des Teams war auf georgischer Seite unverändert; auf deutscher Seite nahmen als Studierende der Orientalischen Archäologie Max Morten Michalk, Judith Gwen Schulz  und Beatrice Wollny teil. Der Dank gilt dem ganzen Team sowie den zehn Grabungsarbeitern aus Tavtskaro und Dedoplistskaro, die unermüdlich und immer gut gelaunt ihrer harten Arbeit nachgingen. Die Ausgrabungen sollen 2019 fortgesetzt werden (Finanzierung noch offen).

Abb. 2: Wallschnitt 2017 von Süden mit den Trockenmäuerchen und der darüber liegenden Steinpackung (vorne)

Abb. 2: Wallschnitt 2017 von Süden mit den Trockenmäuerchen und der darüber liegenden Steinpackung (vorne)

Abb. 2: Wallschnitt 2017 von Süden mit den Trockenmäuerchen und der darüber liegenden Steinpackung (vorne)

Abb. 3: Torschnitt 2017 von Westen

Abb. 3: Torschnitt 2017 von Westen

Abb. 3: Torschnitt 2017 von Westen

Abb. 4: Bronzedepot auf dem Plateau von Osten

Abb. 4: Bronzedepot auf dem Plateau von Osten

Abb. 4: Bronzedepot auf dem Plateau von Osten

Abb. 5: Kreisförmige zweischalige Steinmauer mit der Fundstelle des Depots (am südlichen Ende des Maßstabs)

Abb. 5: Kreisförmige zweischalige Steinmauer mit der Fundstelle des Depots (am südlichen Ende des Maßstabs)

Abb. 5: Kreisförmige zweischalige Steinmauer mit der Fundstelle des Depots (am südlichen Ende des Maßstabs)


Archäologischer Survey in Khalifan (Autonome Region Kurdistan, Irak)

Überblick Khalifan

Überblick Khalifan

Überblick Khalifan

Der Khalifan-Survey ist in einem beinahe unerforschten Gebiet des Zagros-Gebirges im Nordirak angesiedelt. Die wenigen Ausgrabungen in dieser Region fanden bereits in der ersten Hälfte des 20. Jh. statt und haben sich auf prähistorische Fundplätze, wie etwa Banahilk (Spätneolithikum) und Zawi Chemi (Frühneolithikum) konzentriert. Spätere Forschungen der irakischen Antikenbehörde standen hier vor allem mit den Bauarbeiten am Bekhme-Staudamm  am Großen Zab in Zusammenhang. Bis zu Beginn des Khalifan-Surveys 2014 waren insgesamt 10 Siedlungsplätze und Höhlen im Khalifan-Distrikt bekannt, deren Fundmaterial oft nicht datierbar war. Die wenigen Datierungsangaben, die gemacht wurden, deuten für einzelne Fundplätze ins ausgehende 3./frühe 2. Jt. v. Chr. oder in die islamische Zeit.

Die jüngsten Feldbegehungen der Jahre 2014-2017 zeigen nun, dass sich auch in dieser schroffen Bergregion ohne weitläufige Agrarflächen das Siedlungsgefüge weiter verdichten lässt und sich auch die erheblichen chronologischen Lücken nach und nach schließen lassen. Inzwischen sind gibt es deutliche Hinweise auf eine Besiedlung des Gebiets auch  im ausgehenden 2. und 1. Jt. v. Chr. Dieser Zeitraum ist besonders in Hinblick auf die historischen Quellen zum Urartu-Assyrien-Konflikt in neuassyrischer Zeit von besonderem Interesse, denn der Khalifan-Distrikt wird auf den historischen Landkarten zu dieser Epoche in der Regel als eine leere Pufferzone zwischen den beiden Großmächten Assyrien und Urartu definiert. Einen wichtigen Forschungsschwerpunkt bilden zurzeit auch die zum Teil massiven Befestigungsanlagen, die in diesem Gebiet erstmalig bekannt geworden sind und sich gut mit spätbronze- und eisenzeitlichen Anlagen aus dem westlichen Urmia-Gebiet vergleichen lassen.

Das Projekt unter der Leitung von Dr. Claudia Beuger findet in Kooperation mit dem General Directorate of Antiquities Erbil und dem Department of Antiquities Soran statt. Ermöglicht wurden die Arbeiten durch Förderungen des International Office der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (2014, 2017), der Franz-und-Eva-Rutzen-Stiftung (2016), Deutschen Orient-Gesellschaft e.V. (2015-2017), Gerda Henkel Stiftung (2017-2018) sowie der Fritz Thyssen Stiftung (2018).


Çavi Tarlasi

Gesamtplan der Ausgrabung Çavi Tarlası

Gesamtplan der Ausgrabung Çavi Tarlası

Gesamtplan der Ausgrabung Çavi Tarlası

Digitale Rekonstruktion der Bebauung von Çavi Tarlası Schicht 2a

Digitale Rekonstruktion der Bebauung von Çavi Tarlası Schicht 2a

Digitale Rekonstruktion der Bebauung von Çavi Tarlası Schicht 2a

Identität und Kontakt am Beispiel eines spätneolithischen Fundplatzes (SO-Türkei)

(DFG-Projekt: BE 2549/4-1)

Im vorliegenden Projekt werden die Ausgrabungen am Çavi Tarlası in einer Grundlagen-studie vorgelegt (Teil I). Die Auswertung des Çavi Tarlası erbrachte dabei zahlreiche Ergänzungen zum bisherigen Erscheinungsbild der spätneolithischen Ḥalaf-Kultur des frühen 6. Jahrtausends v. Chr. im südlichen Taurusvorland. Die Bedeutung des Ortes liegt vor allem darin begründet, dass der Fundplatz nahezu rein Ḥalaf-zeitlich über mehrere Jahrhunderte besiedelt war und im Wesentlichen nicht durch jüngere Siedlungsschichten gestört ist.

Auf regionaler Ebene füllt die mehrhundertjährige Besiedlung am Çavi Tarlası von der Stufe Ḥalaf Ib bis in den Beginn der Stufe Ḥalaf IIb (ca. 5850–5450 v. Chr.) eine wichtige chronologische Lücke, da andere Fundorte im Karababa-Becken, wie Kurban Höyük oder Nevalı Çori nur während kleinerer Abschnitte der Ḥalaf-Zeit besiedelt waren und wohl nur kleinere Weiler darstellen. Demgegenüber repräsentiert Çavi Tarlası eine ca. 1 ha große dörfliche Ansiedlung mit geschätzten 120 Personen, deren Bewohner Ackerbau und Viehzucht betrieben, während die gelegentliche Jagd ökonomisch keine Rolle spielte.

In einzelnen Kapiteln werden Architektur und Stratigraphie, Gräber, Keramik, Lithik und Grobsteingeräte, Kleinfunde und Tierreste vorgelegt und vor ihrem kulturhistorischen Hintergrund ausführlich diskutiert und eingeordnet. Für die bäuerlich-dörfliche Ḥalaf-Kultur gehört mit dieser Auswertung Çavi Tarlası zu den wenigen Fundorten, für die das gesamte Fundspektrum vorgelegt wird. Die Architektur am Ort ist geprägt durch die typischen Rundhäuser der Ḥalaf-Zeit, die in ihrer Anlage und Ausstattung hier sehr standardisiert erscheinen. Das tägliche Leben spielte sich im Wesentlichen außerhalb der Gebäude ab, wie die Herdstellen und Öfen auf den mit Kieseln gepflasterten Außenflächen zeigen. Zu den materiellen Zeugnissen gehört das umfangreiche Form- und Motivspektrum der Keramik sowie die Lithik und Grobsteingeräte, die die intensive Benutzung dieser Objekte bei diversen Tätigkeiten des Alltagslebens bezeugen. Wurden die meisten Objekte aus lokalen Rohstoffen gefertigt, so belegen vereinzelte Schmucksteine wie Lapislazuli aus dem Ost-Iran/ Afghanistan, eine Kauri-Schnecke aus dem Indischen Ozean sowie eine Auster aus der Mittelmeerregion, dass die Bewohner der weitgehend egalitären Dorfgemeinschaft am Çavi Tarlası in die weit gespannten Austauschbeziehungen der Ḥalaf-Zeit eingebunden waren, wie dies auch anhand des sicherlich importierten Obsidians anzunehmen ist.

Einen breiten Raum nimmt Teil II der Studie ein, der sich mit die Neubewertung Ḥalaf-Kultur und ihrer chronologischen und räumlichen Untergliederung befasst. Anhand von 35 ausgewählten Fundorten – regional gegliedert – wird am Beispiel der Keramik die Entwicklung des lokalen bzw. regionalen Waren-, Form- und Motivspektrums nachgezeichnet und in zahlreichen Synopsen präsentiert. Entgegen älteren Darstellungen, die zwar auf regionale Unterschiede hinweisen, aber dennoch eine weitgehende homogene Entwicklung der Ḥalaf-Keramik konstatieren, kommt die vorliegende Studie zu einem differenzierteren Bild. Die regional variierende Ausprägung der Ḥalaf-Keramik wird dabei als Teil regionaler ‘interaction spheres’ bzw. als Konglomerat sich überschneidender, interagierender, regionaler Gruppen gesehen, deren regionaler ‘Dialekt’ bzw. deren Identität durch eng miteinander agierende Töpfer ("closely interacting individual potters") geprägt wurde.

Abgerundet wird die Studie durch naturwissenschaftliche Untersuchungen von Keramiken verschiedener Fundorte Nordmesopotamiens (Teil III) v.a. im Hinblick auf ihre Provenienz, die primär lokal produziert wurden und es erlauben durch geochemische 'Fingerabdrücke' einzelne Regionen voneinander abzugrenzen. Bisweilen auftretende Überschneidungen werden dabei im Sinne eines regionalen Austauschs bzw. Technologietransfers diskutiert.


Frühere Projekte

Beendete Projekte der Vorderorientalischen Archäologie

Workshop „Ostgeorgien in der Späten Bronze- und Frühen Eisenzeit“
15. Mai 2018
Seminar für Orientalische Archäologie und Kunstgeschichte
Martin-Luther-Universität Halle – Wittenberg

Mit Unterstützung des International Office der Martin-Luther-Universität konnte ein eintägiger Workshop veranstaltet werden, der es erlaubte, verschiedene abgeschlossene und laufende Projekte in Kachetien vorzustellen. Ziel war der direkte Vergleich von Befunden und Funden durch die anwesenden BearbeiterInnen mit einem Fokus auf Siedlungsformen, Architektur, Keramik und Kleinfunden.

Vorträge

Prof. Dr. Paata Bukrashvili (Ilia State University Tbilisi): „Für eine Ethnokulturgeschichte Zentralkaukasiens in der Späten Bronze- und Frühen Eisenzeit“

Zurab Tskvitinidze M.A. (Ilia State University Tbilisi): "Perspectives of the Detailed Survey and Mapping of the Bronze/Iron Age Features in the Kakheti Region (Eastern Georgia)"

Gabriele Kastl M.A. (Eberhard-Karls-Universität Tübingen): "Gefäßformen des Didi Gora in Kachetien – Ostgeorgien  in der Spätbronze-/Früheisenzeit"

Dr. René Kunze (z. Zt. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg): "Zur Rohstoffnutzung in Ostgeorgien im 2./1. Jt. v. Chr."

Dr. René Kunze (z. Zt. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg): "Spätbronze/Früheisenzeit in Ostgeorgien – Die Fallstudie Udabno“

Dr. Sabina Brodbeck-Jucker (Forch bei Zürich): „Die Keramik aus den jüngsten Gebäuden von Udabno und ihre chronologische Beziehung zu den verzierten Bronzegürteln“

Prof. Dr. Felix Blocher (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg): „Ausgrabungen in Nazarlebi 2017 – ein kurzer Überblick“

Abschlussdiskussion: Dr. Nadine Ludwig-Egermann (Pirna), Moderation

Foto der TeilnehmerInnen des Workshops (v.l.n.r. P. Bukhrashvili, Z. Tskvitinidze, J.G. Schulz, S. Arnhold, N. Ludwig-Egermann, F. Blocher, G. Kastl, R. Kunze, S. Davitashvili, S. Brodbeck-Jucker)

Foto der TeilnehmerInnen des Workshops (v.l.n.r. P. Bukhrashvili, Z. Tskvitinidze, J.G. Schulz, S. Arnhold, N. Ludwig-Egermann, F. Blocher, G. Kastl, R. Kunze, S. Davitashvili, S. Brodbeck-Jucker)

Foto der TeilnehmerInnen des Workshops (v.l.n.r. P. Bukhrashvili, Z. Tskvitinidze, J.G. Schulz, S. Arnhold, N. Ludwig-Egermann, F. Blocher, G. Kastl, R. Kunze, S. Davitashvili, S. Brodbeck-Jucker)


Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte

Lebensbilder - Klassische Archäologen und der Nationalsozialismus

Finanziert in freier  Trägerschaft durch die Herausgeber (Prof. Dr. Gunnar Brands - Dr. Martin  Maischberger), unter Beteiligung der Fritz Thyssen Stiftung und des  Deutschen Archäologischen Instituts Berlin

Ausgangspunkt für das Projekt war der Eindruck, daß die Klassische  Archäologie, was die Aufarbeitung ihrer institutionellen und  biographischen Fachgeschichte im Nationalsozialismus angeht, weiterhin  hinter anderen Disziplinen zurücksteht. Ziel des Projekts war es  deshalb, mit Hilfe von Biographien Klassischer Archäologen die  Grundlagen für eine Geschichte des Fachs im 20. Jh. zu legen. Die  Auswahl der Biographien folgte der Leitlinie, einen repräsentativen und  „paritätischen“ Querschnitt durch Verhaltensweisen und –muster in  totaliären Regimen zu erzielen sowie die Vielfalt von Lebenswegen in  möglichst vielen Brechungen zu rekonstruieren. Die Biographien sollen  das ganze Spektrum möglicher Verhaltensweisen im totalitären System  abdecken: Vom Opfer rassischer oder politischer Diskriminierung und  Verfolgung zum Verfechter arischer Herrenmenschen-Ideologie, vom  Parteigenossen zum Emigranten und Gegner des Regimes, vom Mitläufer zum  stillen Verweigerer. Dabei sollten, um Interaktionen und Divergenzen  sichtbar zumachen, neben Deutschen auch ausländische Archäologen  behandelt werden, allen voran Italiener, aber auch Fachvertreter aus  Griechenland, Frankreich, den Niederlanden und den USA.

Die Lebensbilder verstehen sich von daher also als ein Beitrag zur  Fachgeschichte der Klassischen Archäologie zwischen Kaiserreich und  Bundesrepublik/DDR. Dieses hochgesteckte Ziel sollte sich nicht aus dem  Hörensagen, aus nicht selten phraseologischen oder euphemistischen  Nekrologen oder der oral history speisen, sondern aus authentischem Archivmaterial.

Vorangestellt ist dem ersten Band ein einführender Essay zu  "Archäologen und deutscher Vergangenheit". Die biographischen Beiträge  der beiden Bände untersuchen, geordnet nach deren Geburtsdaten, das  Leben von 34 Klassischer Archäologen des 20. Jhs. aus Deutschland,  Italien, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden und den USA.

Die Publikation wurde am 10. Juli 2017 im Jüdisches Museum Berlin im  Rahmen einer Veranstaltung einem breiteren Publikum vorgestellt. Nach  einer Begrüßung durch den Direktor des Hauses, Prof. Dr. Peter Schäfer,  und einem Einführungsvortrag von Prof. Dr. Gunnar Brands fand eine  Podiumsdiskussion statt. Die Journalistin Sandra Maischberger moderierte  eine Diskussionsrunde, an der fünf Lebensbilder-AutorInnen  teilnahmen: Dr. Stefan Altekamp (HU Berlin), Dr. Thomas Fröhlich (DAI  Rom), Dr. Martin Maischberger (Berlin, SMB), Prof. Dr. Wulf Raeck  (Universität Frankfurt) und Dr. Marie Vigener (Berlin, BMBF).

Einen Audio-Mitschnitt der Veranstaltung finden sie unter: https://www.jmberlin.de/buchvorstellung-lebensbilder    

Die Publikation ist im Verlag Marie Leidorf als Band 2,1 (2012) und  2,2 (2016) der Clusterreihe des Deutschen Archäologischen Instituts  erschienen.


Verborgene Zierde

Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg in Halle, 1.April - 24. Juni 2007

gefördert von der Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Institut für Orientalische Archäologie der Universität Halle und der TH Köln

Im Jahr 1905 erwarb die Moritzburg eine "Partie" spätantiker und  frühislamischer Textilfragmente des 4. bis 13. Jahrhunderts aus Ägypten,  die der Schweizer Archäologe, Sammler und Kunsthändler Robert Forrer  (1866-1947) im Gräberfeld von Achmim, dem alten Panopolis, im Jahre  1891 entdeckt hatte. Die antiken Gewebe wurden bald nach dem Ankauf in  Mappen magaziniert, im Zweiten Weltkrieg zusammen mit den Edelmetallen  im Wehrgang der Moritzburg eingemauert und erst 1951 wieder entdeckt. Es  dauerte bis 1997, als diese "verborgene Zierde" ausführlicher  katalogisiert wurde. Seit 2003 wurden die Fragmente durch den Lehrstuhl  für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der TH Köln  restauriert und von Mitarbeitern und Studierenden des Instituts für  Orientarchäologie erstmals wissenschaftlich bearbeitet.

Die restaurierten Textilien wurden in der Moritzburg im Rahmen einer  Ausstellung –ergänzt durch Lesungen, Vorträge und Führungen–  präsentiert. Die kunstvoll gemusterten, stark farbigen Zierstücke von  Gewändern und die Reste von großformatigen Einrichtungstextilien aus  Halle bieten nicht nur einen spannenden Einblick in die Alltags- und  Begräbniskultur Ägyptens in spätantiker und islamischer Zeit, sondern  geben zudem Auskunft über die Methode des Textilsammelns von  Kunstgewerbemuseen als Studien- und Vorlagesammlungen im 19. und  beginnenden 20. Jahrhundert.

Der Katalog, herausgegeben von Gunnar Brands und Anja Preiß, ist 2007  erschienen und im Museumsladen der Moritzburg zum reduzierten Preis von  9.- € zu beziehen.

http://www.stiftung-moritzburg.de/museumsladen/    


Adolph Goldschmidt (1863-1944) – Normal Art History im 20. Jahrhundert

Kongress, 16.-19. Mai 2004
gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Wilmer, Cutler & Pickering LLP

Adolph Goldschmidt (1863-1944) war neben Alois Riegl, Franz  Wickhoff, Heinrich Wöllflin und seinem Freund Aby M. Warburg der  bedeutendste, schulbildende, deutsche Kunsthistoriker am Anfang des 20.  Jahrhunderts. 1904 wurde Goldschmidt Ordinarius für Kunstgeschichte in  Halle und trat 1912 die Nachfolge Heinrich Wölfflins auf dem Berliner  Lehrstuhl an. Anlässlich seiner Emeritierung 1929 von Schülern und  Kollegen gefeiert und 1936 in Harvard mit der Ehrendoktorwürde  ausgezeichnet, wurde er von den Nationalsozialisten 1939 ins Schweizer  Exil gezwungen.
100 Jahre nach seiner Berufung nach Halle ging es in dem Internationalen  Kongress um eine Bestandsaufnahme von Goldschmidts Werk, zu dem noch  heute vielbenutzte Standardwerke gehören, und um die Verdienste eines  außergewöhnlichen Wissenschaftlers, den man "mit Erwin Panofsky zu den  umfassendst gebildeten Kunsthistorikern" seiner Zeit rechnen darf.

Die Kongressakten, herausgegeben von Gunnar Brands und Heinrich  Dilly, sind 2007 bei VDG in Weimar erschienen und dort zu beziehen  (Link: - VDG Weimar).

Programm der Veranstaltung (-Link):
http://www.ikare.uni-halle.de/kunstgeschichte/tagungen/goldschmidt


Die spätantike Stadt und ihre Christianisierung

Internationales Symposion 14.-16. Februar 2000
gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung, Köln

Die Spätantike (3.-7. Jh.n.Chr.) gilt in der öffentlichen  Wahrnehmung als die Verfallsepoche schlechthin. Unter dem Eindruck  wirtschaftlicher Rezession und militärischer Bedrohungen nahm der  Niedergang der Städte und die Verödung des Landes bedrohliche Ausmaße  an. Die Folge: Verfallende Theater und Thermen, funktionsuntüchtige  Platzanlagen und Straßen, geplünderte Altbauten, die Zeugnisse einer  großen Vergangenheit in Schutt und Asche. Das ist das Szenario, das  nicht selten von der Stadt in der Spätantike entworfen wird. Auch die  Christianisierung der spätantiken Gesellschaft seit dem frühen 4.Jh. habe zu diesem Prozess maßgeblich beigetragen, etwa durch die Zerstörung der heidnischen Tempel.
Dass dieses Bild überholt ist und erheblich differenziert werden muss,  wurde bei einem Internationalen Symposion deutlich, das im Februar 2000  stattfand. Das Institut für Orientalische Archäologie und  Kunstgeschichte hatte fast dreißig Wissenschaftler aus neun Ländern  eingeladen, um über “Die spätantike Stadt und ihre Christianisierung” zu  diskutieren.

Die mittlerweile vergriffenen Kongressakten sind 2003 im Reichert Verlag Wiesbaden erschienen.


Archäologische Untersuchungen im Stadtgebiet von Antiochia am Orontes/Antakya

Feldforschungen (2004 - 2008) gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung

Archivstudien in Princeton (2013) und Publikation (seit 2015) gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Feldforschungen in Kooperation zwischen dem Institut für Orientalische Archäologie der Universität Halle, dem Lehrstuhl für Geodäsie der HTWK Leipzig (Prof. Dr. Ulrich Weferling) und der Mustafa Kemal Üniversitesi Antakya (Doc. Dr. H. Pamir)

Ungeachtet ihrer Bedeutung als eine der größten Metropolen der hellenistisch-römischen Welt kann Antiochia am Orontes (Antakya) archäologisch als bestenfalls mäßig erforscht gelten. Die verdienstvolle franko-amerikanische Unternehmung der 1930er Jahre ist aufgrund ihrer fehlenden Systematik und der undurchsichtigen Chronologie der Grabungsbefunde immer wieder in die Kritik geraten. Um dieses Manko zu beseitigen, wurde eine deutsch-türkische Feldunternehmung ins Leben gerufen, die in fünf – von der Fritz Thyssen-Stiftung geförderten– Kampagnen zwischen 2004 und 2008  durchgeführt wurde und topographisch, stadtbau- und architekturgeschichtlich ausgerichtet war.

Im Verlauf der Feldarbeiten wurde erstmals ein zuverlässiger Stadtplan erstellt und der wissenschaftlich bislang völlig vernachlässigte, erhaltene Bautenbestand (Befestigungssystem, Bebauungssystematik, Wasserbauten, Einzeldenkmäler und Nekropolen) durch ein interdisziplinär ausgerichtetes Forscherteam dokumentiert und aufgearbeitet. Hinzukamen geophysikalische Surveys und Keramiksurveys.

Ziel des Projekts ist es, verläßliche Daten für die Rekonstruktion der Stadtstruktur des hellenistischen, kaiserzeitlichen und byzantinischen Antiochia bis in die Kreuzfahrerzeit zu gewinnen und damit eine Rekonstruktion der städtebaulichen und historischen Entwicklung der Metropole zu ermöglichen.

Die Publikation des Projekts, an der derzeit rund 20 WissenschaftlerInnen arbeiten, soll eine seriöse Grundlage für die zukünftige archäologische, topographische, (bau)historische und philologische Erforschung Antiochias bilden. Der erste Band soll Mitte 2019 erscheinen.

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